Trolltunga Wanderung – we did it!
Europa Norwegen

Trolltunga Wanderung – we did it!

«Wir haben es tatsächlich geschafft!» Das war mein erster Gedanke als wir endlich die Trolltunga nach einer Kräftezehrenden Wanderung gesehen haben. Eigentlich erstaunlich wie viele Leute es da oben hat, obwohl die Wanderung nicht gerade ohne ist.

Eins vorweg: diese Wanderung ist mit Abstand die krasseste, die wir jemals gemacht haben.

Aber alles von Anfang an:

Troll’s Zunge

Schnell bemerkten wir, als wir einen Fuss nach Norwegen gesetzt haben, dass sich hier sehr viel um Trolle dreht. Vor allem in der südwestlichen Region, wo sich auch der Trollstigen befindet, spielen Trolle eine Geschichte in Norwegen’s Kultur.

Die Trolltunga (Troll’s Zunge) ist ein Felsvorsprung, umgeben von Natur pur. Warum dieser Fels diesen Namen gekriegt hat, ist eigentlich ziemlich offensichtlich: es sieht aus wie eine lange und spitze Zunge, die ins Nichts herausragt. An der Spitze der Zunge, kann man 700 Meter in die Tiefe bis zum mitreissend-blauen Ringedalsvatnet See herunterschauen. Ein leichtes Schaudern geht mir durch den Rücken, als ich all die Touristen sehe, die über den Rand schauen. Wer hätte gedacht, dass ich auch all meinen Mut aufnehme, und das genau gleiche machen werde?

Eigentlich geniessen wir lieber Orte und Wanderungen an der es wenig Menschen gibt und nicht voller Touristen überladen ist. Aber die Trolltunga Wanderung ist jetzt schon ziemlich bekannt und beliebt. Da wir bei unserer Recherche bemerkt haben, dass noch relativ wenig Information im Web zu finden ist, zeigen wir euch hier alles auf was ihr zur krassessten Wanderung in unserem Leben wissen müsst.

Anfahrt

Es ist aber ein langer Weg, bis man den Adrenalin auf dem Felsen zu stehen, spüren kann. Die Trolltunga befindet sich 17 Kilometer von der Stadt Odda entfernt, oder 190 km von Bergen, der kleinen Stadt, die zum Unesco Weltkulturerbe gehört.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es vor allem in der Stadt Odda. Wir waren mit unserem Camper unterwegs, und deshalb die erste Nacht auf diesem Campingplatz. Es herrschte irgendwie Base-Camp Stimmung als ob wir alle gleich auf den Mount Everest steigen wollten. Alle liefen mit Wanderhosen und -schuhen herum und viele waren auch nur mit dem Zelt da. Wir kamen am frühen Nachmittag schon an, weil wir erst am nächsten Tag die Trolltunga besteigen wollten. Dies war auch gut so. Denn gegen Abend hat sich der Campingplatz schnell gefüllt. Ist man mit einem Camper unterwegs und ist auf Strom angewiesen, dann unbedingt früh nachmittags in den Campingplatz eintrudeln. 

A propos Strom: dafür dass es der einzige Campingplatz in der Nähe ist, ist er ziemlich schlecht ausgestattet. Strom hat es zwar auf dem Campingplatz, aber die Strommasten sind so weit entfernt, dass unser 25 Meter Kabel nicht gereicht hat, hätte ein netter Holländer nicht mit uns den Platz getauscht. Also unbedingt ein langes Kabel mitnehmen!

Alternativ kann man AUF der Trolltunga selbst zelten und dort übernachten. Wir haben viele Wanderer gesehen, die mit voller Montur die 11 km hoch gewandert sind. Wenn ihr dort oben übernachtet, hinterlässt bitte keine Spur von euch: also alles Abfall mitnehmen und nichts oben zurücklassen.

Parkplatz

Am nächsten Morgen brachen wir früh morgens auf um noch vor dem Shuttle Bus, der jeden Tag vom Campingplatz zu Skjeggedal (Start Trolltunga Wanderung) fährt, am Parkplatz zu sein. Je mehr wir uns Skjeggedal näherten, desto mehr konnte ich mein Unbehagen vor der bevorstehenden Wanderung nicht verbergen. In Skjeggedal konnten wir dann unseren Björn bei horrenden Parkgebühren für die nächsten 12 Stunden parken. Der Parkplatz in Skjeggedal, welches ca. 30 Minuten von Odda entfernt liegt, war schon um 7.30 Uhr früh morgens voll und das obwohl das parken dort mit NOK 300 (ca. CHF 35.–) einen stolzen Preis hat.

Achtung: es gibt noch einen kleinen Parkplatz 6 km vor dem offiziellen Parkplatz. Dieser ist zwar (soweit ich weiss) kostenlos, aber eben 6 km weiter entfernt. So wird von einer 22 km Wanderung auf einmal eine 34 km Wanderung. Überlegt euch gut ob ihr das wollt 😉 .

Achtung 2: Camper dürfen die kleinen Strassen bis Skjeggedal nicht passieren. Darum fährt der Shuttle Bus regelmässig vom Camp aus. Wir mit unserem Bomobil durften noch rauf.

Die Wanderung

Die Wanderung zur Trolltunga fängt aber auch gar nicht leicht an: der erste Kilometer ist Anstrengung pur. Der erste Kilometer ist geprägt von Knie-hohen, matschigen und rutschigen Stufen, von Seilen und Bäumen an denen man sich hochheben kann und keuchenden Wanderern. Kurz: der erste Kilometer ist brutal. 

Leider wird der Weg zur Trolltunga aber danach leider nicht viel leichter: nach einem kurzen Stopp am Bach (Trinkwasser!) und dem passieren von der 1. Kilometer Tafel, geht es den nächsten Kilometer eher ruhig zu. Sobald der zweite Kilometer durch ist, schaut man auf und sieht einen Berg voller grosser Steine vor sich. Da hoch geht es lang. Erst ab dem fünften Kilometer wird die Wanderung angenehmer. Jetzt erwarten euch nur noch schneebedeckte Stellen (die wahrscheinlich das ganze Jahr durch da sind), Bachüberquerungen und wunderbare Landschaft.

Der erste Kilometer ist brutal!

Als wir schon gefühlte 20 Stunden am bergauf gehen sind, und den x-ten Bach überquert haben, kommen wir endlich an eine Ebene wo sich alle Menschen tummeln. Immer wieder hört man von den rückkehrenden Menschen: «gleich habt ihr es geschafft!» und «nur noch ein paar Schritte!» Und endlich: da ist die Trolltunga. Ehrlich gesagt, muss man sie schon zuerst etwas suchen in der ganzen Menschenmenge, aber wenn man die Zunge dann sieht, ist es atemberaubend.

Nehmt euch jetzt die Auszeit die ihr braucht; stärkt euch beim Mittagessen und trinkt viel Wasser. Und das wichtigste: Macht das Foto für Instagram, wofür ihr so hart gearbeitet habt!

Etwa gleich sehenswert, wie die Trolltunga selber, ist die Menschenmasse, die gesittet ansteht um das eine Bild zu machen. Also einfach anstehen und warten bis man dran kommt. Übrigens: fragt einfach vertrauenswürdige Menschen an, ob sie euer Bild machen können. Alle hier sind im gleichen Boot und wollen das Foto auf der Zunge.

Endlich auf der Trolltunga!

Nach ca. 30 Minuten Wartezeit – ja es gab viele Menschen – waren wir an der Reihe um unser Bild zu machen. Ich war ganz nervös als ich all die Menschen sah, die sich am Rand des Felsvorsprungs hinsetzten und ihre Beine über 700 Meter Nichts baumeln lassen. Ich würde sowas nie machen!

Ich hab’s auch gemacht 🙂 . Es sieht furchteinflössender aus, wenn man als Aussenstehender die anderen Menschen beobachtet. Sobald ich auf dem Felsen war, sagte ich zu Markus: «wir setzten uns doch auch hin». Das Gute ist, dass die Trolltunga leicht nach hinten geneigt ist. Wenn man sich also hinsetzt, kann man «nur» nach hinten purzeln, würde man den Halt verlieren.

Der Rückweg

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von der faszinierenden Trolltunga. Immerhin sind wir uns einig: so schnell machen wir das nicht wieder! Wir haben sogar gesagt: «nie wieder!». Aber sag niemals nie!

Die ersten 5 Kilometer nach unten waren verglichen zum Hinweg ein Zuckerschmaus. Hier hatte ich auch das erste Mal Fotos gemacht vom Wanderweg und wir konnten die Natur um uns herum noch etwas mehr geniessen.

Die letzten 6 Kilometer jedoch waren höllisch. Vor allem der allerletzte Kilometer, war der Schwerste. Erinnert ihr euch an die Knie-hohen Stufen? Ja diese mussten wir nun nach runter. Unsere Beine halten uns kaum, aber wir wussten, wir dürfen keinen Fehltritt machen. Schnell verliert man den Halt und man rutscht aus. Das bräuchten wir nun wirklich nicht. Also fassten wir all unsere Konzentration zusammen und machten eine Stufe nach der anderen. Schlussendlich sind wir heil zu unserem Björn angekommen. Und einmal mehr waren wir froh mit unserem Björn, denn wir konnten uns aus dem kalten Kühlschrank ein leckeres Süssgetränk gönnen.

Wann kann ich die Trolltunga wandern?

Hier gibt es klare Bestimmungen: Wanderung zur Trolltunga ist vom 16. Oktober bis 18. März strengstens verboten.

Ab 19. März bis 15. Juni und 15. September bis 15. Oktober darf man das Abenteuer nur mit einem Guide bezwingen.

Und vom 15. Juni bis 15. September  ist die Wanderung für alle zugänglich und somit ohne zusätzliche Risiken verbunden.

Wie lange geht die Wanderung?

Die Wanderung zur Trolltunga geht zwischen 10 und 12 Stunden – je nach Kondition und Ansporn. Wir brauchten 4.5 Stunden hoch und 4 Stunden runter. Auf der Trolltunga liessen wir uns Zeit für Essen und Fotografieren mit 1.5 Stunden. Beim Hochlaufen überholten uns einige junge sportliche Norweger, und die hatten einen solchen Zacken, dass sie wahrscheinlich in 3 Stunden hoch wanderten. Aber da muss man doch sehr gut konditioniert sein.

Für wen ist die Wanderung?

Obwohl im Jahr 2014 der Trail etwas entschärft wurde um es für mehrere Leute zugänglich zu machen, empfinden wir die Wanderung als sehr schwierig. Wie oben beschrieben, sind vor allem die steilen Passagen Kräftezehrend. Somit sollte man definitiv etwas konditioniert sein und gewohnt sein an Wanderungen. So sollte die Wanderung gut zu schaffen sein. Wir haben sogar ein 80-jähriges (!) Paar getroffen – unmöglich ist also nichts.

Tipps
  • Bequeme Wanderschuhe. Obwohl viele junge Leute mit leichten Turnschuhen unterwegs waren, würden wir euch das unter keinen Umständen empfehlen. Viele Stellen sind rutschig und nass und somit besteht schnell Rutschgefahr.

 

  • Zwiebelschichten. Das Wetter kann sich schnell ändern in den Höhen. Unten könnt ihr bei Sonnenschein und Wärme starten und oben angekommen, könnte es stark winden. Wir hatten zum Glück strahlend blauen Himmel. Trotzdem wehte auf der Trolltunga dieser kalte und unberechenbare norwegische Wind. Zieht also mehrere Funktionskleider übereinander an. 

 

  • Wasser. Es gibt den ganzen Weg durch stets Bäche. Hier dürft sollt ihr euch eure Flaschen auffüllen. Es gibt nichts besseres als kaltes und frisches Bergwasser. Wir haben zu viel Wasser mitgenommen, das war ein grosser Fehler. Heute würden wir nur mit einer vollen Wasserflasche starten und dann auf dem Weg durch auffüllen.

 

  • Mittagessen und Energy-Bars. Ihr werdet 8 – 12 Stunden unterwegs sein; packt also genug Essen mit, denn ihr werdet bestimmt Hunger bekommen. Snacks mit einem hohen Energie-Level sind zu empfehlen.

 

  • Kamera. Ich hatte meine grosse DSRL Kamera dabei, und obwohl ich sie auf den ganzen 11 Kilometer hoch verflucht habe, bin ich jetzt im Nachhinein froh, dass ich sie dabei hatte. Natürlich tun es kleinere Digitalkameras auch :).

 

  • Nehmt euch Zeit. Es ist kein Rennen wer schneller auf die Trolltunga kommt. Nehmt euch Zeit auch auszuruhen. Vor allem in den Sommermonaten wird es ja fast nie dunkel, somit habt ihr genug Zeit am Tag wo es noch hell ist. Überall wird auch darauf hingewiesen, dass Übermüdung und Erschöpfung keine Gründe sind den Notruf zu holen. 

Trotz den harten 11 km hoch und den noch härteren 11 km runter, empfehlen wir jedem, der körperlich einigermassen fit ist, diese Wanderung zu unternehmen. Die Aussicht ist einfach atemberaubend und wenn man auf der Trolltunga steht, vergisst man für einen Moment die Welt um sich herum.

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M&M, ein reiselustiges und junges Paar aus der Schweiz, erzählt über ihre Reisen und über den Umbau ihres Campers. Mit dem Blog wollen wir euch Inspirationen und einen Ruck geben, um die Welt zu entdecken.

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